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Eva Behringer Seit 1948 die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von der UN-Generalversammlung verabschiedet wurde, gilt der 10. Dezember als Internationaler Tag der Menschenrechte. Kein Zufall also, dass genau an diesem Tag im Jahr 2009 die Ortsgruppe „Amnesty International Rostock“ offiziell zur Hochschulgruppe wird.
Amnesty International wurde 1961 gegründet und setzt sich für die weltweite Einhaltung der Menschenrechtserklärung ein. Da das leider in vielen Ländern nicht der Fall ist, versucht die Organisation mithilfe verschiedener Aktionen, die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf Menschenrechtsverletzungen zu lenken und diese dadurch zu beheben.
Die Arbeit von Amnesty International gliedert sich in vier Teilbereiche:
Bei der so genannten Fallarbeit wird Menschen, die zu Unrecht ins Gefängnis gebracht oder auf andere Weise unmenschlich behandelt wurden, durch Unterschriftenaktionen und Briefe an Staatschefs, Botschafter und Minister geholfen.
Ein zweiter Bereich sind die „urgent actions“ (Eilaktionen), an denen sich jeder – auch Nicht-Mitglieder – beteiligen kann. Zu finden sind sie auf der Website der Organisation: www.amnesty.de. Dort werden Situationen, in denen sich die Betroffenen befinden, geschildert und der Vordruck für ein Protestschreiben gleich mitgeliefert.
Zwei weitere Arbeitsbereiche sind die „Briefe gegen das Vergessen“, die an Gefängnisinsassen geschickt werden, um diesen weiter Hoffnung zu geben, und die „Menschenrechtsbildung“. Diese bezeichnet die Aufgabe Amnestys, Fälle von Menschenrechtsverletzungen in Deutschland publik zu machen, da in hiesigen Nachrichtensendungen meist nicht darüber gesprochen werde.
Vor allem die Aufklärungsarbeit stellt einen wichtigen Punkt für die Hochschulgruppe dar, wie sie mit der Ausstellung zum Thema „Gewalt gegen Frauen“ zeigt, die ihr im Eingangsbereich des Unigebäudes Ulmenstraße findet.
Wie sieht aber die Wirkung einer so großen Organisation in einer Stadt wie Rostock aus? Was kann man von hier aus dazu beitragen, die Ungerechtigkeit in der Welt zu bekämpfen? Diese und noch ein paar andere Fragen beantworten Stefan Altkrüger und Johannes Vicenik von der Amnesty International Hochschulgruppe.
Wie lange engagiert ihr euch schon für Amnesty und warum?
Johannes: Ich bin seit drei Monaten bei der Gruppe und durch meine Forschungsarbeit über Folterüberlebende auf die Organisation aufmerksam geworden. Vor allem aus dieser Tätigkeit heraus habe ich mich entschieden, auch privat für die Einhaltung der Menschenrechte und gegen Folter einzutreten.
Stefan: Ich bin im Sommer 2008 zur Ortsgruppe gestoßen. Damals waren wir um die zwölf Leute, viele schon einige Jahre aktiv. Zu der Zeit steckten wir alle viel Zeit in die Planung eines Konzerts im MAU.\\ Zeitgleich zu den Olympischen Sommerspielen in China sollte das Motto des Abends „Gold für Menschenrechte“ sein. Wir wollten auf die kritische Menschenrechtslage im Olympia-Land aufmerksam machen. Leider war das Konzert schlecht besucht. Vielleicht auch deshalb verließen einige Alteingesessene die Gruppe und wir mussten uns einen Plan für die Zukunft der Gruppe überlegen.
Wie soll die Zukunft aussehen?
Stefan: Wir wollen fester Bestandteil des Campuslebens werden und möglichst viele Studenten mit Veranstaltungen, Aktionen und Ausstellungen ansprechen. Deshalb haben wir die Ortsgruppe „Amnesty International Rostock“ in eine Hochschulgruppe umgewandelt. Wir erhoffen uns davon auch, viele engagierte Kommilitonen für unsere Sache begeistern zu können. In den kommenden Jahren wollen wir das kulturelle Leben Rostocks und der Universität bereichern.
Wie wollt ihr das machen? Und wie sehen eure nächsten Projekte aus?
Johannes: Ab dem Frühjahr werden wir die Gymnasien Rostocks besuchen, um mit den Schülern eine interaktive Unterrichtsstunde zu gestalten. Das soll auch ein Standbein der Gruppe werden. Zusätzlich zu den Schülern können wir dort hoffentlich auch Pädagogen für Amnesty begeistern, da wir uns nicht nur über studentische Mitglieder, sondern über jeden Neuzugang freuen. Am 1. Februar steht dann eine große kulturelle Veranstaltung an: Monika Breuer-Umlauf, die fast zwei Jahre lang in Hebron Projekte mit palästinensischen Jugendlichen geleitet hat, hält einen Dia-Vortrag, bei dem sie über ihre Erfahrungen und die Lage im Westjordanland sprechen wird.
Stefan: Seit einem Jahr betreuen wir zudem einen konkreten Fall: Anwar al-Bunni wurde mit zwei anderen Männern, die mittlerweile freigelassen wurden, inhaftiert, weil er sich in seinem Heimatland Syrien friedlich für Demokratie und Menschenrechte eingesetzt hatte. Durch Unterschriften und Briefe versuchen wir Hafterleichterung oder, im besten Fall, seine Entlassung zu erwirken.
Johannes: Wir beschäftigen uns auch mit Gewalt gegen Frauen. So gab es vergangenen November eine gemeinsame Veranstaltung mit dem Rostocker Frauenhaus. Auf dem Doberaner Platz gestalteten wir gemeinsam eine Antigewaltkundgebung, die auf die 747 registrierten Fälle von Gewalt an Frauen in Rostock aus dem Jahr 2008 aufmerksam machte. Weitere Projekte, Filmabende und Infoveranstaltungen sind in Planung.
Erschienen in: Heuler. Das Studentenmagazin, No.88, Januar 2010, S.31 Illustration: Maria Nieft