Startseite › Auf Todedszügen durch Mexiko

Täglich springen Frauen, Männer und Kinder in Mexiko auf rollende Güterzüge. Sie sind auf dem Weg in die USA. Viele erreichen niemals ihr Ziel. Sie werden vom Zug überrollt oder unterwegs von Banden überfallen. Ihre Geschichte erzählt das bewegende Verfolgungsdrama „Sin Nombre“ von Cary Fukunaga. In der kommenden Woche läuft es im Lichtspieltheater Wundervoll an.
Eine Zugsirene pfeift. Rasch packen die Männer und Frauen ihre Bündel zusammen und rennen los. Sie springen auf den fahrenden Güterzug und hoffen, möglichst weit Richtung US-amerikanische Grenze zu gelangen. Tausende von irregulären Migranten - unter ihnen auch Kinder - durchqueren auf diese Weise jedes Jahr Mexiko. „Sin Nombre“ widmet sich dem Schicksal dieser Menschen. Mehr als 90 Prozent von ihnen stammen aus Zentralamerika. Sie fliehen vor der bitteren Armut in ihrer Heimat und sind an ihrem ersehnten Reiseziel nicht gewollt.
In Rostock feiert der Film am 29. April um 20 Uhr im Lichtspieltheater Wundervoll in der Stephanstraße 7 seine Premiere. An diesem Abend wird der mexikanische Künstler Cesar Naranjo zu Gast sein und die fiktive Geschichte des Films mit der Realität in Zusammenhang bringen.
Bevor er nach Deutschland kommt, lebt der kritische Kulturaktivist lange Zeit im Norden Mexikos und entwickelt sich zwischen 1997 und 2001 zu einem der wichtigsten Schauspieler der Stadt Monterrey. Er belebt Straßen und Freilichtbühnen mit Aufführungen und ruft viele kulturelle Angebote ins Leben. Verbindungen zu verschiedenen bedeutenden Künstlern führen ihn dahin, sein Talent als Maler auszuprobieren. In Workshops bietet er Jugendlichen und Erwachsenen mit geringem Einkommen Möglichkeiten, sich der Kunst zu nähern. Die großen Maler Mexikos bezeichnen ihn als modernen Künstler mit vielversprechender Zukunft. Derzeit ist seine aktuelle Ausstellung im spanischen Valencia zu bewundern. Der Autodidakt kennt die missliche Lage vieler Menschen in seinem Land und will im Filmgespräch am kommenden Donnerstag Bezug darauf nehmen.
Die unverkennbaren Züge, die in dem mexikanischen Verfolgungsdrama eine wichtige Rolle spielen, werden im Volksmund „La Bestia“ (das Biest) oder „Tren de la muerte“ (Todeszug) genannt. „Schwere Unfälle sind an der Tagesordnung“, erzählt Alma Noser, Mexiko-Expertin von Amnesty International. Sie hat selber beobachtet, wie die Migranten auf den Todeszügen reisen. „Die Menschen halten sich oft nur an Kanten oder Leitern fest. Nach Stunden in brennender Hitze oder bei klirrender Kälte sind sie total erschöpft. Der kleinste Ausrutscher kann den Verlust eines Beins, eines Arms oder des Lebens bedeuten.“
Präsentiert wird der Kinoabend vom Lichtspieltheater Wundervoll in Zusammenarbeit mit der Amnesty International Hochschulgruppe Rostock.