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Aktiv gegen Todesstrafe

03.06.2010

Genozidale Verfolgung der Bahai im Iran

Die Menschrechtssituation im Iran – ein Thema, um das es schon Monate nach den Präsidentschaftswahlen im letzten Jahr in den Medien der westlichen Welt wieder still geworden war. D. Schikora und B. Zendeh vermittelten eindrucksvoll, wie das Regime in Teheran Grenzen jeglicher Menschlichkeit und Rationalität überschreitet.

In gewohnt hoher Qualität stellte Schikora die Wesenszüge des politischen Systems im Kontext der religiösen und rechtlichen Rahmenbedingen des Iran dar. Dabei wurde deutlich, dass eine Gewaltenteilung zwar de jure, jedoch nicht de facto existiert, und die Macht des Obersten Rechtsgelehrten in einem Zirkel aus Gremien stets erhalten wird. Hinzu kommt die Vereinigung dieser Macht mit der eines religiösen Führers. Menschenrechtsverletzungen, zum Beispiel die Verfolgung von Minderheiten, können innerhalb des Regimes also in Folge der freien Gestaltungsmöglichkeiten der Rechtsnormen als legal definiert werden.

Demgegenüber werden Verfolgung, Folter sowie fehlende Rechte auf Meinungsäußerung und Pressefreiheit international als starke Menschenrechtsverletzungen angesehen. Die Definition des Genozid in der UN-Resolution 260 lässt sich außerdem nach herrschender Meinung auf die gezielte Ausrottung der Bahai im Iran anwenden.

Im zweiten Teil portraitierte Zendeh als Mitglied der Bahai-Gemeinde Rostock zunächst die Bahai als moderne, permissive Religion. Im Zentrum dieser Religion steht der frei denkende, vernünftige Mensch, der die Gleichstellung der Geschlechter als gegeben ansieht. In gewissen Zeiträumen wird eine zeitgemäße Lehre Gottes durch einen neuen Propheten verkündet, womit alle bisherigen Weissager der verschiedenen Religionen erklärt werden.

Zendeh widmete sich im Weiteren der genozidalen Verfolgung der Bahai im Iran, stellte deren Ursachen heraus und gab erschreckende Beispiele. Die Thematik, insbesondere die Frage, was jeder einzelne tun kann, regte zur Diskussion an. Dabei konnte Zendeh, der selbst einige Jahre im Iran lebte, Informationen aus erster Hand liefern. Mit seiner sympathischen Art gelang es dem Vortragenden, eine ernste, aber dennoch angenehme Atmosphäre zu schaffen.

Wir als Amnesty-Gruppe bedanken uns noch einmal recht herzlich bei den beiden Vortragenden und freuen uns auf eine weitere Zusammenarbeit!