Startseite › Verschlusssache Tschetschenien
(vom 03.09. bis 28.09.2007)
Zwei Kriege, permanenter Terror und alltägliche Gewaltexzesse: Tschetschenien zählt zu den gefährlichsten Regionen der Welt. Auch wenn Wladimir Putin immer wieder die Normalisierung der Lage, die Befriedung des Nordkaukasus betont: in Tschetschenien herrscht nach wie vor Krieg. Der Fotograf Musa Sadulajew hat die schmerzvolle Geschichte seines Landes in schonungslosen Bildern festgehalten. Bilder, die Russland gern unter Verschluss hält, während der Westen meist schweigt. Er fotografierte das Elend in den überfüllten Flüchtlingslagern in Inguschetien und auf der Straße liegende erschossene 18-Jährige in russischen Uniformen.
Fast 13 Jahre nach Ausbruch des 1. Tschetschenienkrieges halten die kriegerischen Auseinandersetzungen an, Bombenanschläge, Entführungsfälle und Gewaltkriminalität sind an der Tagesordnung. Welchen Einfluss hat Europa angesichts der aktuellen Entwicklungen? Was haben die bisherigen Aktivitäten bewirkt, woran scheitern die Versuche, die Menschenrechtssituation in Tschetschenien nachhaltig zu verbessern? Darüber wollen wir mit unseren ReferentInnen und Ihnen diskutieren.
Zum Film "Weiße Raben - Alptraum Tschetschenien": Petja und Kiril melden sich – gerade 18 Jahre alt – freiwillig bei der russischen Armee für die tschetschenische Front. Die Krankenschwester Katja arbeitet in einem Lazarett im Kriegsgebiet. Keiner von ihnen kehrt zurück, wie er ging. An Leib und Seele verkrüppelt, allein gelassen mit ihren Erfahrungen von Verstümmelungen, Folter und Tod. Über einen Zeitraum von drei Jahren beobachteten Johann Feindt und Tamara Trampe den Versuch der Heimgekehrten, sich in einer Gesellschaft wieder zurechtzufinden, die den Krieg verdrängt. Den Regisseuren gelingt es, eine einfühlsame Nähe zu den Betroffenen aufzubauen, durch die die unmenschliche Realität des modernen Russland veranschaulicht wird. Der Film erhielt 2007 den Adolf-Grimme-Preis.